„Oh momma, I wanna go surfin’
Oh momma, I don’t care about nothing“

Hört man Surfen, haben die meisten gleich braungebrannte, hübsche Menschen, strahlendblaues Wasser und faszinierende Tricks im Kopf. Für viele ist Surfen Freiheit, Leidenschaft, Sport und Lebensphilosophie in Einem. Aber was genau steckt dahinter, wie kam man darauf auf Brettern die Wellen zu reiten, was zur Hölle heißt es, wenn jemand von „Cut-back“ spricht und was muss man sonst noch alles über den Wellensport wissen?
Im Folgenden kommt nun die ultimative Mischung aus Besserwisser-Hintergrundinfos und praktischem Surfer 1×1:

Los ging es mit dem Surfen auf Hawaii und von dort aus verbreitete es sich im letzten Jahrhundert nach Kalifornien und Australien und schließlich in die ganze Welt. Heute ist auch Europa voll mit vielversprechenden Surf-Sports und sogar Dänemark belohnt wind- und wetterfeste Surfer mit guten Wellen. Für die Hawaiianer war Surfen mehr als nur ein rasanter Zeitvertreib, sondern fest in ihrer Religion verankert. So wurde der Bau eines Surfbretts von religiösen Ritualen begleitet, die dem Schutz und dem Wohlwollen der Götter dienten. Um sich gute Wellen zu sichern, wurden auch entsprechende Rituale für Kanaloa, den Gott des Meeres und somit eine Art hawaiianischer Poseidon, durchgeführt. Surfen war zu der Zeit der Sport der Könige, so hatten die Mitglieder der königlichen Familie sowohl Vorzüge bei der Wahl der Bretter, als auch bei den Surfspots. Der europäische Entdecker der Hawaii-Inseln, Kapitän James Cook verfasste den ersten Bericht, in dem das Surfen erwähnt wurde. Die Neugierde auf das Surfen stieg und auch Mark Twain (1866) und Jack London (1907) berichteten vom Wellenritt der Hawaiianer. 1908 wurde dann schließlich der erste Surfclub der Welt gegründet, der „Waikiki Outrigger Canoe and Surfboard Club“.

Surfen besteht zu einem Großteil der Zeit aus warten und paddeln, bis dann endlich das perfekte Set reinrollt.
Wenn es dann los geht, ist die Frage, was bzw. wie man surft – Bodysurfen, Bodyboarden, Shortboarden, Longboarden oder Big-Wave-Surfen. Bodysurfen ist die älteste Form des Surfens und kommt komplett ohne Brett aus – ja, richtig gelesen, man nutzt lediglich den gesamten Körper, um die Welle hinunter zu gleiten. Beim Bodyboarden surft man mit einem kurzen harten Schaumstoffbrett (abwertend gern als Schwamm tituliert) und ist ausgestattet mit Bodyflossen. Wer sich jetzt frägt, und was ist das „richtige“ Surfen? Das fällt unter den Begriff Shortsurfen. Unter Shortboards läuft in der Regel alles unter sieben Fuß (= 2,13 m). Für Shortboards braucht man eine steile Welle und vor allem Schnelligkeit beim Take-off. Longboards zählen genauso wie Bodyboards gemeinhin zu den Stiefschwestern des Shortboards. (Insbesondere weil sie durch Länge und Volumen früher auf der Welle sind, und somit den Shortboardsurfern die ein oder andere Welle wegschnappen). Longboards müssen mindestens 9 Fuß, also 2,74 m lang sein. Und zu guter letzt gibt es noch das das Big-Wave-Surfen, bei dem die Surfer mitunter auch als Rhinochaser bezeichnet werden. Hier geht es um große Wellen, richtig große! Das heißt nix für Anfänger und auch für viele Erfahrene zu heftig. Was zählt als große Welle? Generell wird es ab einer Wellenhöhe von 15-18 Fuß ernst. Zu den bekanntesten Big-Waves zählt Maverick’s in Kalifornien. (Allen Surfbegeisterten sei an dieser Stelle der Film „Chasing Maverick’s“ wärmstens empfohlen).

Und nun das kleine Surfslang 1×1, damit ihr auch beim nächsten Strandurlaub mitreden könnt: Viel Spaß! :)

Set = Wellengruppe, die in regelmäßigem Abstand auf die Küste trifft
Spot = Ort, an dem Surfen möglich ist
Surf = Brandung
Swell = Dünung, umgangssprachlich Größe der Wellen, die reinkommen
Take-off = Aufstehbewegung mit der der Surfritt beginnt
Turn = Manöver, bei dem die Fahrtrichtung geändert wird
Wipe-out = Wenn es den Surfer vom Board fegt
Leash = Fangleine, die das Surfbrett mit dem Fußgelenk verbindet
Line-up = Bereich, in dem die größten Wellen zuerst brechen und sich die Surfer zum Warten aufreihen
Break = Ort, an dem eine Welle so bricht, dass sie gesurft werden kann
Localism = Verhalten von einheimischen Surfern Fremden gegenüber. Kann zu gewalttätigen Aktionen führen, wenn die fremden Surfer als Eindringlinge betrachtet werden. In Surfguides wie „Stormrider“ stehen bei den einzelnen Spots hilfreiche Infos zum jeweils vorherrschenden Localism.
Close-out = Die Welle bricht auf ganzer Länge und kann in keine Richtung gesurft werden
Beachbreak = verrät der Namen schon, die Welle bricht über sandigem Untergrund
Carven = wie beim Skifahren, entspannte weite Kurven.
Turns = Kurven
Blown-out = die Wellen sind vom Wind zerblasen
Boogieboard = nicht gleichbedeutend mit Bodyboard, nur eine bekannte Marke für Bodyboards.
Boomerset = besonders großes Set
Clean-up Set = Sehr großes Set, das weiter draußen bricht – und dadurch viele Surfer ans Land spült
Bumpy = unruhiges Wasser, aufgewühlte Oberfläche
Mushy = sehr schwache Wellen
Crowdy/crowded = Sehr viele Surfer sind an einer Stelle im Wasser
Curl = Brechungsgrad der Welle
Drop = Hineinstarten in die Welle nach der Aufstehbewegung
Drop-in = einem anderen Surfer die Vorfahrt nehmen (in die Welle reinpadeln, auf der sich bereits ein Surfer befindet)
Duck Dive = Technik, bei der der Surfer unter einer Welle hindurchtaucht
Cut-back = Manöver, das den Surfer wieder zurück zum brechenden Teil der Welle bringt
Face = steiler Teil der Welle, der noch nicht gebrochen ist
Flat = flaches Wasser vor der hineinkommenden Welle
Glassy = glatte Wasseroberfläche bei Windstille
Goofy = Beim Surfen den rechten Fuß vorne haben
Regular = Beim Surfen den linken Fuß vorne haben
Grommet = sehr junger Surfer
Hang Loose = Surfergruß
Peak = höchster Punkt der Welle, der zuerst bricht
Pointbreak = Surfspot, an dem die Welle immer von der gleichen Stelle nach links oder rechts bricht.
Ripping = Extrem radikales Surfen

 

– Anna Gaege
Surfer: Adrian Stern

Quelle: WAVE CULTURE – Faszination Surfen: Das Handbuch der Wellenreiter  – Juni 2015, von Stefan Strauss, Ralf Götze, Judith Hinel, Tim McKenna.